Bericht für das 4. Quartal 2022

Im vierten Quartal blieb die Geldpolitik der Notenban­ken für die Börsen das beherrschende Thema. Zu­nächst prägte die Hoffnung auf eine zukünftige geldpo­litische Entspannung im neuen Jahr 2023 das Markt­geschehen, bis in den letzten Wochen die Sorgen wie­der zunahmen.

Zinsen, Renten, Währungen und Rohstoffe

Angesichts hoher Inflationsraten und der Aussicht auf eine anhaltend restriktive Geldpolitik der Notenbanken waren im September viele Aktienindizes auf die tiefs­ten Werte seit dem vierten Quartal 2020 gefallen. Im Oktober und November lebte die Hoffnung auf ein bal­diges Ende der Zinserhöhungen wieder auf. Diese Er­wartung wurde von schwächeren Konjunkturdaten ge­stützt. Allerdings dämpften gute Daten vom US-Ar­beitsmarkt mit geringer Arbeitslosigkeit und weiter stei­genden Löhnen diese Hoffnung, sodass die Inflations­entwicklung von zentraler Bedeutung bleibt.

Die im Oktober für den Monat September veröffentli­che Jahresrate der US-Inflation ging zwar leicht von 8,3 auf 8,2 Prozent zurück. Weil aber die Börsen einen stärkeren Rückgang erwartet hatten (auf 8,1 Prozent), reagierten sie zunächst mit Kursverlusten, zumal die Kernrate der Inflation mit 6,6 Prozent weiter anstieg. Anders als im September erholten sich die Aktienmärk­te schnell und schließlich überraschte die US-Inflati­onsrate des Monats Oktober positiv: Mit 7,7 Prozent lag der Preisanstieg unter den Erwartungen von 8,0 Prozent. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmit­tel sank auf 6,3 Prozent. Dies wurde als wahrscheinli­che Trendwende aufgefasst, der Höhepunkt der Inflati­onsentwicklung könne überwunden sein.

Nach der Europäischen Zentralbank (EZB) Ende Okto­ber erhöhten im November die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und die Bank of England (BoE) ihre Leitzinsen um jeweils 75 Basispunkte. Das veröffent­lichte Sitzungsprotokoll und Äußerungen von Fed-Prä­sident Jerome Powell bestätigte dann die Erwartungen derjenigen, die für 2023 ein verlangsamtes Tempo bei den Zinserhöhungen sehen.

Diese Hoffnung wurde allerdings von starken Daten der Konjunktur, der Preisentwicklung und des Arbeits­marktes gedämpft. So stiegen die Löhne in den USA deutlich, die Arbeitslosigkeit ist gering und die Ausga­benbereitschaft der Privathaushalte verhältnismäßig hoch. Im Dezember gewannen deshalb schließlich die Sorgen überhand, die US-Notenbank könne ihre Leit­zinsen auch 2023 weiter anheben müssen als zu­nächst erwartet worden war. Zwar erhöhten im Dezem­ber die Fed und die europäische Zentralbank ihre Leit­zinsen wie erwartet um jeweils einen halben Prozent­punkt, bestärkten zugleich aber die Sorgen. Denn ihre Inflationserwartungen korrigierten die Notenbanken nach oben. Zudem kündigte die EZB an, ab März ihren Anleihebestand um monatlich 15 Mrd. Euro abzubau­en, was den Märkten entsprechend Kapital entzieht. Überraschend hob zudem die japanische Notenbank, die Bank of Japan (BoJ), den Zielbereich für Anleihe­renditen an. Damit signalisierte sie, auch in Japan die Liquiditätsversorgung zu begrenzen.

An den Rentenmärkten setzte sich der Anstieg der Zinsen fort, was zu weiteren Kursverlusten bei Anlei­hen führte. Die Rendite bei US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stieg erstmals seit der Finanzkri­se 2008 über vier Prozent und erreichte im Oktober mit 4,33 Prozent den höchsten Stand seit 14 Jahren. Im November sorgte die Hoffnung auf eine Verlangsa­mung von Inflation und restriktiver Geldpolitik für eine Kurserholung. So sank die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bis in die erste Dezemberhälfte auf 3,4 Prozent. Mit den Sorgen wuchs dann auch die Rendite wieder. Mit 3,88 Prozent liegt sie zum Jahreswechsel nur Fünf Hundertstel Prozent über dem Wert von Ende September. Die Rendite von US-Anleihen mit 30 Jah­ren Laufzeit erhöhte sich im dritten Quartal um 20 Ba­sispunkte von 3,78 auf 3,98 Prozent.

In Europa und Deutschland stiegen die Anleiherenditen auf die höchsten Werte seit vielen Jahren. Turbulent ging es vor allem bei britischen Anleihen zu. Die Pläne von Premierministerin Liz Truss, die Steuern massiv zu senken, um Großbritannien nach dem EU-Austritt wirt­schaftlich zu beleben, fielen an den Kapitalmärkten durch. Die Aussicht auf eine massiv steigende Staats­verschuldung Großbritanniens führte zu einem Kurs­sturz britischer Staatsanleihen und zwang die Bank of England zu Stützungskäufen. Truss trat im Oktober nach nur sechswöchiger Amtszeit zurück. Vom neuen britischen Premier Rishi Sunak, einem ehemaligen In­vestmentbanker, erwarten die Märkte bei wirtschaftli­chen Weichenstellungen eine glücklichere Hand.

Abwärts ging es mit den Kursen von kontinentaleuro­päischen Anleihen. So stieg die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen im vierten Quartal um 45 Basispunkte auf 2,56 Prozent. Der Bund-Future, der die Kursent­wicklung von deutschen Staatsanleihen widerspiegelt, erreichte am 7. Dezember zwar ein Zwei-Monats-Hoch bei gut 143 Prozent, stürzte aber bis zum Jahresende auf 132,8 Prozent ab – und damit auf ein neues Zehn-Jahres-Tief.

An den Devisenmärkten kam es im vierten Quartal zu einer Trendwende. Nachdem das Jahr zuvor von einer zunehmenden Aufwertung des US-Dollars gekenn­zeichnet war, verlor die Währung nun im vierten Quar­tal gegen Euro 9,2 Prozent (auf 1,07 US-Dollar pro Eu­ro) und gegen japanischen Yen 9,5 Prozent (auf 131 Yen pro US-Dollar). Damit preisten die Devisenmärkte die für 2023 erwartete Verlangsamung des Zinsan­stiegs in den USA ein, während der Zinsvorteil des US-Dollars gegenüber Euro und Yen kleiner werden dürfte. Gegen den chinesischen Renminbi verlor der US-Dol­lar im vierten Quartal 3,1 Prozent (auf 6,9 Yuan pro Dollar).

Die Kryptomärkte stabilisierten sich zwar zunächst. Im November weiteten sich Liquiditätsprobleme der Kryp­to-Handelsplattform FTX zu einer schweren Vertrau­enskrise aus, nachdem der Konkurrent Binance ange­kündigt hatte, sich von Beständen der FTX-eigenen Kryptowährung FTT (FTX Token) zu trennen. Offenbar waren bei FTX Kundeneinlagen im Volumen von rund 10 Milliarden US-Dollar zweckentfremdet verschoben worden. Der FTT stürzte darauf von rund 22 auf unter einen US-Dollar ab.

Eine Rettung von FTX mittels einer Übernahme durch Binance scheiterte. FTX galt als weltweit drittgrößte Krypto-Börse, Binance ist der globale Marktführer. Der Bitcoin-Kurs fiel zeitweilig knapp unter 16.000 US-Dol­lar und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Einige Krypto-Fonds und Krypto-Verleiher, darunter der weltgrößte Bitcoin-Fonds Graysale Trust und die Kryp­to-Kreditgeber Genesis und BlockFi, gerieten stark un­ter Druck und stellten ebenfalls die Auszahlungen ein. Am Jahresende war ein Bitcoin rund US-16.500 Dollar wert, 15 Prozent weniger als drei Monate zuvor.

An den Rohstoffmärkten ging es vergleichsweise ru­hig zu. Nachdem die Konjunktursorgen das Preisni­veau schon im Sommer belastet hatten, veränderten sich die meisten Rohstoffpreise im vierten Quartal auf US-Dollar-Basis relativ wenig. Der Bloomberg Commo­dity Index stieg um 1,2 Prozent. Öl und Gas wurden in Euro gerechnet billiger. Ein Barrel der europäischen Ölsorte Brent kostete am Jahresende mit 86 US-Dollar nur wenige Cent mehr als drei Monate zuvor. Der Kup­ferpreis in US-Dollar gerechnet erholte sich nach dem Preisrückgang um rund 12 Prozent.

Die Edelmetallpreise, die nicht von den Krisen profitiert hatten, solange die Zinsen deutlich stiegen, erhöhten sich im Schlussquartal deutlich, was vor allem am nun schwächeren US-Dollar lag. Der Goldpreis stieg um 9,8 Prozent auf 1.824 US-Dollar pro Unze. Dies ist für einen in Euro rechnenden Anleger fast nur der Wäh­rungsverlust. In Euro gerechnet verbleibt bei Gold ein Preisanstieg um 0,6 Prozent auf 1.704 Euro pro Unze. Besser schnitt man mit Silber und Platin ab, deren Preise 26 bzw. 23,5 Prozent auf 24 US-Dollar bzw. 1.068 US-Dollar pro Unze stiegen. Es gab offenbar Umschichtungen zulasten des teureren Palladiums, dessen Preis um 17,8 Prozent auf 1.790 US-Dollar pro Unze fiel.

Aktienmärkte

An den Aktienmärkten galt die Aufmerksamkeit neben der Inflations- und Zinsentwicklung zumindest zeitwei­lig den Unternehmensergebnissen. Die ab Oktober veröffentlichten Zahlen des dritten Kalenderquartals konnten in vielen Fällen positiv überraschen, was zur Erholung der Aktienkurse im Oktober und November beitrug. Während das Vertrauen der Anleger in Aktien der „alten Wirtschaft“ (Old Economy) angesichts über­wiegend guter Quartalsergebnisse stieg, zeigten einige Technologie-Aktien Schwächen. Die Ergebnisse und Ausblicke der Google-Mutter Alphabet, Mikrochipher­steller Texas Instruments, Facebook-Betreiber Meta und Online-Einzelhändler Amazon enttäuschten die In­vestoren.

Die Quartalszahlen von Intel und Apple wurden positiv aufgenommen. Apple konnte seinen ersten Platz als wertvollstes Unternehmen der Welt mit einem Börsen­wert von rund 2,4 Billionen Dollar verteidigen. Intel er­holte sich wenigstens etwas von dem tiefsten Wert seit 2014. Mit dem Unterhaltungskonzern Walt Disney ent­täuschte aber ein weiterer großer Konzern die Anleger. Die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Unter dem Strich entwickelten sich die US-Standardwerteindizes Dow Jones Industrial Average und S&P-500 wieder besser als die von Technologie­werten geprägten Nasdaq-Indizes.

Der populäre Dow Jones Industrial Average Index in New York stieg von seinem Jahrestief im Oktober bis Ende November um gut 20 Prozent und beendete das Quartal schließlich mit einem Plus von 15,4 Prozent bei 33.147 Zählern. Der S&P-500 schaffte ein Plus von 7,1 Prozent, während der Nasdaq Composite Index 1,0 Prozent verlor. Einmal mehr war es die Aussicht auf höhere Zinsen, die die Technologie-Aktien belastete. Die relative Stärke der Biotech-Aktien setzte sich da­gegen fort. Der Nasdaq Biotech-Index verzeichnete im vierten Quartal ein Plus von 11,8 Prozent.

Auch die europäischen Aktienmärkte erholten sich im Oktober und November. So kletterte der Euro-STOXX-50 bis in die Nähe der 4.000-Punkte-Marke und damit auf das höchste Kursniveau seit April. Ähn­lich gut entwickelte sich der DAX, der erstmals seit An­fang Juni wieder 14.500 Zähler erreichte. Im Dezem­ber wollte sich die Kurserholung nicht als Jahresend­rallye fortsetzen. Die Aussicht auf höhere Zinsen bei gleichzeitig schwächerer Wirtschaft drückte den Euro-STOXX-50 wieder auf rund 3.800 Punkte. Der Jahres­endstand von 3.793,6 Zählern bedeutet für das vierte Quartal ein Plus von 14,3 Prozent.

Auch der DAX gab im Dezember einen Teil seiner Kursgewinne wieder ab, beendete das vierte Quartal aber mit einem Zuwachs von 14,9 Prozent. Noch bes­ser schnitten im Schlussquartal die europäischen Akti­enmärkte ab, die zuvor mehr gelitten hatten. So stieg der österreichische ATX-Index um 16,1 Prozent und der CECE-Index für Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn sogar um 26,3 Prozent. Die Zuwächse an den beiden größten Nicht-Euro-Börsen Westeuropas blieben dagegen kleiner. Der britische Leitindex FTSE-100 gewann im vierten Quartal 8,1 Prozent und der schweizerische SMI nur 4,5 Prozent. Somit blieb das Plus beim paneuropäischen STOXX-50-Index mit 9,6 Prozent unter dem des Euro-Zonen-Leitindex Euro-STOXX-50 (14,3 Prozent).

An den asiatischen Aktienmärkten war die Entwick­lung noch uneinheitlicher. An der Börse Tokio überwo­gen zwar die Kursgewinne. Das Zinssignal der japani­schen Notenbank belastete aber, sodass der Nikkei-225-Index am Jahresende mit 26.095 Punkten nur 0,6 Prozent höher steht als drei Monate zuvor. Der für den Markt repräsentativere Topix Index gewann passable 3,0 Prozent.

 

Weitaus turbulenter war die Kursentwicklung an den chinesischen Aktienmärkten. In Hongkong fiel der Hang Seng Index zunächst auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Die fortschreitende Um­wandlung Chinas von einer Diktatur der Kommunisti­schen Partei zu einer Ein-Mann-Diktatur von Präsident Xi Jingping beschleunigte den Rückzug internationaler Investoren, zumal der Umgang mit der Corona-Pande­mie die Wirtschaft belastete. Im November begann ei­ne Kurserholung, die sich darauf stützte, dass Peking seine strenge Null-Covid-Politik lockern müsse. In offe­nen Protestkundgebungen wurde die zunehmende Un­zufriedenheit der Bevölkerung mit dem Regime und seiner Corona-Politik deutlich.

Als Peking daraufhin seine Null-Covid-Politik lockerte, führte dies prompt zu einem starken Anstieg der Infek­tions- und Todesfälle. Was die Kursentwicklung an­geht, erholte sich die Börse in Hongkong vor allem im November so deutlich, dass sich für das Quartal ein Zuwachs von 14,9 Prozent beim Hang Seng Index und von 13,6 Prozent bei Hang Seng China Enterprise (HSCE) Index ergibt. Beide Indizes waren im dritten Quartal um mehr als 20 Prozent gefallen.

Differenziert blieb die Kursentwicklung an den Aktien­märkten Lateinamerikas. Die im dritten Quartal stär­kere brasilianische Börse in Sao Paulo blieb hinter der zuvor gefallenen mexikanischen Börse zurück. Der brasilianische Bovespa-Index beendete das vierte Quartal nahezu unverändert, während der mexikani­sche IPC Index 9,8 Prozent gewann.

Die Aktienkurse der Goldminenbetreiber profitierten vom steigenden Goldpreis. Der FT Goldmines Bran­chenindex verzeichnet im vierten Quartal einen Anstieg von 20,2 Prozent.

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Bericht für das 3. Quartal 2022

Auch im dritten Quartal standen die Börsen weiterhin unter dem Eindruck hoher Inflation, des Anstiegs der Zinsen und der sich gleichzeitig verschärfenden Rezessionssorgen

Zinsen, Renten, Währungen und Rohstoffe

Zu den Ängsten um die anhaltend hohe Inflation ge­sellten sich zunehmende Konjunktursorgen. Sowohl in den USA als auch in Europa verschlechterte sich die Stimmung bei Unternehmen und Privathaushalten. Die Einkaufsmanager-Indizes signalisieren einen Ab­schwung. Die Gemengelage aus hohen Inflationsraten, nicht funktionierenden Lieferketten, dem Krieg in der Ukraine und dem Stopp russischer Gaslieferungen an immer mehr europäische Ländern belasten Privathaus­halte und Unternehmen. Zudem zeigte sich, dass Chi­na mit seiner Null-Covid-Politik keinen umfassenden Erfolg hat.

Die für den Juni ermittelte US-Inflation kletterte mit 9,1 Prozent auf den höchsten Stand seit November 1981. Erstmals seit Jahrzehnten stehen die Notenbanken vor der undankbaren Aufgabe, die Konjunktur in einem Ab­schwung mit Zinserhöhungen belasten zu müssen, um den starken Anstieg des Preisniveaus zu bremsen.

Mitte Juni hatte die US-Notenbank ihren wichtigsten Leitzins, die sogenannte Fed Funds Rate, ein zweites Mal in diesem Jahr erhöht. Mit einem ungewöhnlich hohen Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten hatte sie ihre Entschlossenheit demonstriert. Dies dürfte dazu beigetragen haben, dass im Juli auch die Europäische Zentralbank (EZB) eine Leitzinserhöhung erklärte, die über den Erwartungen lag. Obwohl sie selbst im Juni nur einen Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten ange­kündigt hatte, wurden die EZB-Leitzinsen im Juli um 0,50 Prozentpunkte angehoben.

Daraufhin fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanlei­hen erstmals seit Ende Mai unter die Ein-Prozent-Mar­ke. Dieser Zins hatte Mitte Juni kurzzeitig sogar 1,8 Prozent überschritten. Bis Anfang August sank die Zehn-Jahres-Rendite auf nur 0,72 Prozent. Die Rendi­te zehnjähriger US-Staatsanleihen, die Mitte Juni noch ein Zehn-Jahres-Hoch bei 3,48 Prozent erreicht hatte, kam bis Anfang August auf 2,53 Prozent zurück. Hoff­nungen, die Phase rasch aufeinanderfolgender hoher Zinsanhebungen sei vorbei, bewahrheiteten sich nicht. Die Börsen fieberten der Notenbankkonferenz von Jackson Hole entgegen. Die dortigen Äußerungen von Fed-Präsident Jerome Powell wurden als Fortsetzung einer straffen Geldpolitik verstanden und belasteten die Börsen. „Die Wiederherstellung der Preisstabilität wird wahrscheinlich die Fortsetzung einer restriktiven Geldpolitik für einige Zeit notwendig machen“, sagte der Fed-Chef im Rahmen der Notenbankkonferenz. Zudem spreche die historische Erfahrung dagegen, die Geldpolitik zu früh zu lockern. Dass sowohl die Euro­päische Zentralbank (EZB) als auch die US-Notenbank Federal Reserve ihre Leitzinsen im September um je­weils 75 Basispunkte anhoben, schockierte die Börsen nicht mehr. Mit großer Enttäuschung wurde dagegen der nur leichte Rückgang der Inflation in den USA auf­genommen. Für den Monat August lag die Teuerungs­rate bei 8,3 Prozent – nach 8,5 Prozent im Vormonat. Mehrheitlich erwartet worden war ein Rückgang auf 8,1 Prozent.

An den Rentenmärkten setzten sich nach der kleinen Erholung bis Anfang August die Kursverluste fort. Die Verzinsung für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichte in der letzten Septemberwoche mit 3,99 Prozent den höchsten Wert seit 2010 und been­dete das dritte Quartal mit einem Anstieg um 0,80 Pro­zentpunkte bei 3,83 Prozent. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen stieg im dritten Quartal ähnlich, und zwar um 0,76 Prozentpunkte von 1,35 auf 2,11 Prozent. In der Spitze erreichte die Rendite mit 2,27 Prozent den höchsten Stand seit vielen Jahren. Der Bund-Future, der die Kursentwicklung von Bun­desanleihen an der Terminbörse wiedergibt, verzeich­nete im dritten Quartal mit einem Minus von 7,1 Pro­zent auf 138,3 Punkte einen noch höheren Kursverlust als im Vorquartal.

An den Devisenmärkten beschleunigte sich der Auf­wärtstrend des US-Dollar nochmals. Haupttreiber ist der Zinsanstieg in den USA. Zudem belasteten der russische Angriffskrieg in Europa und seine Folgen die europäischen Währungen und begünstigten eine Art Flucht in den Dollar. Die europäische Gemeinschafts­währung fiel auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren. Von Juli bis Mitte September hatte sich die Marke von eins zu eins zwischen US-Dollar und Euro, die sogenannte Parität, als Unterstützungszone gezeigt, aber ange­sichts der Entwicklungen im September fiel der Euro im Tief auf rund 95 amerikanische Cent. Bis Ende Sep­tember erholte er sich auf 0,98 USD/EUR, was für das dritte Quartal immer noch einen Rückgang des Euro gegen US-Dollar von 6,5 Prozent bedeutet.

Dass es sich dabei eher um eine Dollar-Stärke als eine Euro-Schwäche handelt, zeigt der Blick auf die großen asiatischen Währungen: Der japanische Yen verlor im dritten Quartal gegen Dollar 6,6 Prozent (auf 144,7 Yen pro US-Dollar) und der chinesische Renminbi 6,3 Pro­zent (auf 7,12 Yuan pro US-Dollar). Das britische Pfund litt unter den Plänen der neuen Regierung unter Premierministerin Liz Truss, die zu einem starken An­stieg der Staatsschulden führen würden. Gegen US-Dollar verlor das britische Pfund 8,6 Prozent, gegen den Euro 2,0 Prozent auf 0,878 GBP/EUR. Die türki­sche Währung wird weiterhin dadurch belastet, dass die Notenbank trotz galoppierender Inflation die Leit­zinsen senkte. Die türkische Lira ging auf dem ermä­ßigten Niveau in eine Seitwärtsbewegung (zwischen 17,2 und 18,6 TRY/EUR) über.

Stabilisierung bei Kryptowährungen nach Kursverlus­ten: Durch die hohen Kursverluste im vorausgegange­nen Quartal waren einige Unternehmen der Krypto-Branche in Schwierigkeiten geraten. Anfang Juli muss­te der Krypto-Hedgefonds Three Arrows Capital Insol­venz anmelden. Der Fonds verwaltete zwischenzeitlich ein Vermögen von rund 10 Milliarden US-Dollar und war damit der bislang größte Krypto-Hedgefonds in der noch jungen Geschichte der Asset-Klasse. Schließlich stabilisierten sich die Kryptowährungen im Laufe des Quartals. Auslöser der Kurserholung war ein im Juli veröffentlichter Zeitplan der Ethereum-Blockchain-Ent­wickler, wonach die Umstellung (Merge) vom Proof-of-Work- auf das Proof-of-Stake-Verfahren den Datenver­kehr bald schneller und ressourcenschonender organi­sieren soll.

Die mehrfach verschobene Umstellung wurde Mitte September tatsächlich ohne größere technische Pro­bleme vollzogen, sie führte aber zu Kursverlusten, weil offenbar Positionen aufgelöst wurden, die auf den Mer­ge hin gekauft worden waren. Ein Positiv-Ausreißer unter den größeren Kryptowährungen war XRP mit ei­nem Sprung von rund 30 Prozent, weil sich Vertreter des XRP-Entwicklers Ripple Labs zuversichtlich zum Ausgang des seit Ende 2020 schwelenden Rechts­streits mit der US-Börsenaufsicht SEC äußerten. Die SEC möchte XRP als Wertpapier einstufen. Beide Sei­ten haben ein Urteil im Schnellverfahren beantragt. Der Bitcoin beendete das Quartal schließlich bei gut 19.400 US-Dollar, knapp drei Prozent mehr als Mitte des Jahres.

An den Rohstoffmärkten überwogen angesichts zuneh­mender Sorgen um die Weltkonjunktur Preisrückgän­ge. Die bevorstehende Rezession wird die Nachfrage auf den Weltmärkten sinken lassen. Der Bloomberg Commodity Index sank um 4,8 Prozent. Vor allem der Ölpreis, der im ersten Quartal um mehr als 40 Prozent nach oben geschossen war und sich dann auf hohem Niveau gehalten hatte, sank im dritten Quartal, letzt­endlich um 22 bzw. 24 Prozent auf 85 US-Dollar für ein Barrel der europäischen Ölsorte Brent bzw. 79 US-Dol­lar für ein Barrel der US-Ölsorte WTI. Der Kupferpreis, der schon im Vorquartal um gut 20 Prozent gefallen war, gab weitere 9 Prozent nach.

Die Edelmetallpreise konnten weiterhin nicht von den Krisen und Sorgen profitieren, sondern litten unter dem Zinsanstieg, weil zinslose Edelmetalle einen Verzicht auf alternativ mögliche Zinseinnahmen bedeuten. Der Goldpreis verringerte sich im dritten Quartal um 8,1 Prozent auf 1.660,50 US-Dollar pro Unze. In Euro fällt der Rückgang aufgrund des Dollar-Anstiegs weiterhin geringer aus: minus 1,7 Prozent auf 1.694,25 Euro. Der Silberpreis sank um 5,9 Prozent auf 19,03 US-Dol­lar pro Unze. Aufgrund des im gleichen Zeitraum um 6,5 Prozent gestiegenen US-Dollar-Wechselkurses wurde Silber in Euro gerechnet teurer.

Aktienmärkte

Schon im Laufe des Julis drückten die Inflations-, Zins- und Konjunktursorgen viele Aktienindizes auf oder in die Nähe ihrer Jahrestiefs. Überdurchschnittliche Kurs­schwankungen waren bei Technologie-Aktien zu beob­achten. Sie leiden besonders unter dem Zinsanstieg. Schwache Quartalsergebnisse großer US-Banken be­lasteten zeitweilig Finanzwerte, obwohl diese auch in Europa zu den wenigen Profiteuren wieder höherer Zinsen gehören dürften. Zwischenzeitlich drückten auch die Spannungen zwischen China und den USA um Taiwan auf die Stimmung an den Aktienmärkten.

Überraschend gute US-Konjunkturdaten und die über­wiegend noch guten Unternehmensergebnisse sorgten für positive Impulse. Positiv nahmen die Marktteilneh­mer die Inflationszahlen für den Juli auf: Die US-Inflati­on wurde mit 8,5 Prozent nach 9,1 Prozent im Vormo­nat bekanntgegeben. Dies bestärkte die Hoffnungen, die US-Notenbank könne ihre Zinserhöhungspolitik bald lockern. Äußerungen des Präsidenten des US-Notenbank wurden als Hinweis auf eine Verlangsa­mung der geldpolitischen Straffung verstanden. Und weil die Geschäftsergebnisse und Ausblicke der meis­ten Unternehmen sehr gut ausfielen, darunter bei den Indexschwergewichten Apple und Amazon, setzten die meisten Aktienmärkte zu einer Sommerrallye an, also einer Erholungsphase mit schnell steigenden Aktien­kursen. Der Dow Jones Industrial Average erholte sich vom Zwischentief am 15. Juni in den zwei Monaten bis zum 15. August um 15,6 Prozent. Der stärker von gro­ßen Technologie-Aktien geprägte Nasdaq-100-Index stieg im gleichen Zeitraum um 24,3 Prozent. Weil hier die Kursverluste zuvor deutlich höher ausgefallen wa­ren, reichte das nicht, um den eigenen 200-Tage-Durchschnitt zu erreichen. Im weiteren Verlauf signali­sierte die US-Notenbank, ihre restriktive Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung ungeachtet der schädlichen Aus­wirkungen auf die Konjunktur fortzusetzen. Dies ver­stärkte die Rezessionssorgen. Daraufhin fielen die meisten Aktienindizes auf neue Jahrestiefs.

An den europäischen Aktienmärkten hatte die Som­merrallye erst im Juli begonnen. Der Euro-STOXX-50-Index erholte sich bis Mitte August um fast 14 Prozent, der DAX immerhin um gut 12 Prozent. Die Rallye blieb jedoch eine untergeordnete Gegenbewegung. Schon Mitte August verschlechterte sich die Stimmung. Die Sorgen, die hohe Inflation könne die Europäische Zen­tralbank zu weiteren Zinserhöhungen bewegen, kehr­ten zurück. Zudem nahmen die konjunkturellen Risiken zu, weil Russland seine Gaslieferungen reduzierte und die Preise für Energie stark stiegen.

Die für den gesamten US-Aktienmarkt repräsentative­ren Indizes Dow Jones Industrial Average und S&P-500 verloren im dritten Quartal letztendlich 6,7 bzw. 5,3 Prozent. Die von großen US-Technologiekonzernen geprägten Leitindizes der Nasdaq, der Nasdaq Com­posite und der Nasdaq-100-Index, beendeten das drit­te Quartal mit einem Verlust von 4,1 bzw. 4,6 Prozent. Der Rückzug der Investoren galt im dritten Quartal vor allem den großen, hochkapitalisierten Konzern-Aktien. Der Russell-2000-Index für kleinere US-Aktien verlor im dritten Quartal nur 2,5 Prozent. Bei den 2021 in Un­gnade gefallenen Biotech-Aktien war weiterhin relative Stärke zu beobachten. Der Nasdaq Biotech-Index ver­zeichnete im dritten Quartal gegen den Trend ein klei­nes Plus von 0,5 Prozent.

Die europäischen Aktienmärkte litten im dritten Quartal stärker unter der krisenhaften Entwicklung, insbeson­dere unter der Nähe zu Russland, das seine Gasex­porte weiter reduzierte. Der STOXX-50-Index verlor 3,4 Prozent, der britische Leitindex FTSE-100 3,8 Pro­zent. Der Leitindex für die Euro-Zone, der Euro-STOXX-50, gab etwas mehr nach, und zwar um 4,0 Prozent auf 3.318,2 Zähler. Noch etwas schlechter schnitt der

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